Startups: Die 10 besten Rezepte gegen das Scheitern (t3n)

Startups: Die 10 besten Rezepte gegen das Scheitern

(Foto: © Creativa – Fotolia.com)

Längst nicht alle Startups schaffen es ins gesicherte Fahrwasser. Nur etwa 60 Prozent der Neugründungen im IT-Sektor sind auch nach fünf Jahren noch am Markt – der Rest scheitert. Vor allem in Deutschland ist die Angst vor unternehmerischem Misserfolg groß. Wie man der Gefahr am besten entkommt, zeigen diese zehn Gründer-Tipps.


Laut Statistik scheitern 40 Prozent aller Startups
Jenseits der viel diskutierten Gründerstorys wird gerne vergessen, dass viele Startups gar nicht erst zum Erfolg kommen. Nach Zahlen des Branchenverbandes BITKOM werden immerhin 40 Prozent aller IT-Unternehmen innerhalb der ersten fünf Jahre wieder geschlossen. Die Gründe dafür finden sich in klaffenden Finanzierungslücken ebenso wie in falschen Geschäftspartnern oder der fehlenden Erfahrung. Was in den USA oft nicht mehr als eine Randnotiz wert wäre, treibt in Deutschland vielen Entrepreneuren den Angstschweiß auf die Stirn. Zu gering ist die deutsche Mentalität und Akzeptanz für unternehmerisches Risiko. Zu groß daher wohl auch die Zweifel vieler Gründer hinsichtlich der eigenen Idee, Erfahrung und dem Entscheidungsvermögen.

Startups richtig aufbauen: Mit diesen Tipps zum Erfolg
Mithin suchen Startups schnell nach Lösungen, um der stillen Gefahr des Scheiterns verlässlich zu entkommen. Zwar gibt es dafür kein Patentrezept, von den Erfahrungen erfolgreicher Unternehmen dürften viele Entrepreneure dennoch profitieren. Etwa von denen der Startups 6Wunderkinder, Blackblaze, Dribbble, Envato, Freshbook, Simple oder Treehouse. Alle kennen die Risiken einer Startup-Gründung – und alle haben sie Fehler gemacht und aus ihnen gelernt. Zehn wichtige Tipps gegen das Scheitern:

1. Sei Missionar und Problemlöser
Die beste Idee ist wenig wert, wenn sie nicht einen für die Masse sinnvollen Nutzen bringt. Kaum verwunderlich, dass vor allem daran viele Startups scheitern. „Baut mehr als nur ein schickes Produkt!“, appelliert Alan Johnson, Mitbegründer der Lernplattform Treehouse. Junge Unternehmen sollten sich vielmehr als Missionare einer breiten Zielgruppe verpflichten. „Wir von Treehouse versuchen, das Erlernen von Web-Technologien für alle Menschen auf der Welt möglich und bezahlbar zu machen. Mit diesem Ziel im Hinterkopf fällt es uns erheblich leichter, strategisch wichtige Entscheidungen zu treffen und neue Mitarbeiter einzustellen.“

Am Anfang des Erfolgsweges steht immer ein Problem. Mit ihrem Produkt greifen Startups dies im Idealfall unmittelbar an. Für Rich Thornett, den Mitbegründer von Dribbble, gibt es dafür eine klare Vorgehensweise: „Identifiziert ein echtes Problem, das viele Menschen unmittelbar betrifft. Entwickelt dann eine Lösung dafür und verdient schnellstmöglich Geld damit.“ Nur wenn es jungen Unternehmen frühzeitig gelingt, diesem Pfad zu folgen, schaffen sie eine solide Grundlage für den weiteren Erfolg.

2. Gelange von der richtigen Nische in die Masse
Auf Anhieb begeistern nur ganz wenige Startups die Massen. Sehr viel mehr Aufmerksamkeit sollten angehende Entrepreneure daher zunächst der richtigen Nische widmen. Das weiß auch Christian Reber, Gründervater der Berliner Produktivitäts-Schmiede 6Wunderkinder. „Wenn Du Dich mit einem spezifischen Produkt (USP) von anderen Mitbewerbern abhebst, findet man Dich leichter“, erklärt er. So habe sich das Startup mit der Wunderlist-App in der Anfangszeit auf die Nische der „IT-Professionals“ konzentriert. Heute wird das Tool von schätzungsweise knapp vier Millionen Menschen genutzt.

3. Kenne und verstehe Deine Mitgründer
76 Prozent aller Startups werden im Team gegründet. Ein Großteil von ihnen scheitert nicht zuletzt am Zwist der Führungsspitze. Schon zu Beginn ist es daher ratsam, Befugnisse und Führungsaufgaben der Mitgründer klar festzulegen. Was sind die Ziele? Welche Finanzierungsmodelle kommen infrage? Wie hoch sind die Arbeitszeiten und wer trifft die wichtigen Entscheidungen? Diese und andere Fragen sollte sich auch stellen, wer seine Mitstreiter schon länger kennt. „Wir fünf Gründer haben bereits über zehn Jahre zusammen gearbeitet. Trotzdem merkten wir, dass wir uns in Sachen Zielvorstellungen noch sehr fremd sind“, sagt Gleb Budman vom Cloud-Startup Blackbaze. Sprecht miteinander.

4. Monetarisiere Dein Startup frühzeitig
Startups hängen immer auch am Tropf des Geldes – und das in zweierlei Hinsicht. Wer sein Unternehmen nicht mit dem Sparbuch aufzieht, sollte sich schnell (und kontinuierlich) nach geeigneten Investoren umsehen. So wie zum Beispiel das Banking-Startup Simple. Noch bevor die Gründer ihre vorherigen Jobs aufkündigten, holten sie sich einen Business-Angel ins Boot. „Weil wir wussten, dass eine rentable Banking-App nur mit viel Kapital realisierbar ist, führten wir in den darauffolgenden zehn Monaten über 70 weitere Gespräche mit Venture-Capital-Gesellschaften“, verrät Shamir Kalkal, Finanzchef des Startups.

Zudem stellt besonders die rasche Monetarisierung des Geschäftsmodells viele Startups vor Herausforderungen. Denn oft gilt: Erst wachsen, dann verdienen. Dass man Nutzerwachstum und Umsatz aber auch gemeinsam unter einen Hut bekommen kann, zeigt sich am Beispiel des Designer-Portals Dribbble. Schon früh führte das Unternehmen kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaften (mit echtem Mehrwert) ein. Der Effekt: „Das früh verdiente Geld war entscheidend, um mit ausreichenden Ressourcen auf das schnelle Wachstum unseres Portals zu reagieren“, erklären die Gründer um Rich Thornett und Dan Cederholm.

5. Finde und überzeuge das richtige Team
Ganz ähnlich verhält es sich auch in Sachen Personalplanung. „Die richtigen Leute nicht nur zu finden, sondern auch motivieren und halten zu können, ist immer eine große Herausforderung“, erklärt Shamir Kalkal von Simple. Ein Tipp von ihm: Leidenschaft zeigen! So überzeuge man schnell andere, gleichgesinnte Mitstreiter von einem Engagement im Unternehmen. Für Christian Reber von 6Wunderkinder ist dieser Vorgang am einfachsten: „Richtige Kandidaten für das eigene Startup zu finden, ist eher weniger eine Herausforderung. Diejenigen zu finden, die vom Produkt überzeugt und loyal sind – das ist schwer“, sagt er.

6. Stelle neue Mitarbeiter lieber zu früh als zu spät ein
Ein bisschen Risikofreude sollten Startups daher durchaus wagen. Vor allem in der Anfangsphase neigen viele Gründer dazu, die volle Kontrolle über Idee, Umsetzung und Strategie behalten zu wollen. Die Gefahr: Schnell kommt es angesichts zu vieler Aufgaben zur Überforderung – Stillstand oder gar Rückschritt im Unternehmen drohen. Eine Erfahrung, die das Dribbble-Gründerteam bereits hinter sich hat. Deshalb der Rat: „Die frühzeitige Übertragung von Aufgaben an neue Mitarbeiter.“

7. Mache Deine Kunden zum Produktentwickler
Per se müssen Startups ihren besten Mitarbeiter aber gar nicht erst suchen. Oft schlummert vor allem beim Kunden ein enormes Potential für Problemlösungen. Durch clevere Feedback-Strategien, wie sie das Startup Freshbook umsetzte, können Jungunternehmen die fehlersensible Frühphase ihrer Produktentwicklung sicher überwinden. „Das frühe Kundenfeedback war für unseren Erfolg entscheidend verantwortlich“, sagt Freshbook-Gründer Levi Cooperman. Die erste Version der Zeiterfassungs-Software beinhaltete zum Beispiel ein Feedback-Formular und ermutigte die Kunden nach dem Ausloggen zu einem Anruf beim Startup. Aus diesen Informationen habe man eine ganze Menge gelernt, wie Cooperman verrät. „Der Erfolgsschlüssel in jeder Phase eines Startups ist der sichere und offene Umgang mit Kundenfeedback.“

8. Mache Fehler, aber lerne aus ihnen
Keiner mag sie und doch gehören sie dazu – Fehler. Als integraler Bestandteil eines jeden Gründungsprozesses gilt es daher, den richtigen Umgang mit ihnen zu finden. Wie der ausschaut? „Du machst Fehler und lernst aus ihnen. Stelle sicher, dass Du denselben Fehler nie wieder machst“, so die Devise des Startups Envato. Ganz ähnlich sieht das auch Christian Reber von 6Wunderkinder. Tausende Fehler hat er schon begangen. Er bezweifelt, dass es einen einzigen Gründer auf der Welt gibt, der keine Fehler macht.

9. Bleib hartnäckig und verteufle die Nein-Sager
Achterbahnfahrten im Startup-Geschäft sorgen schnell für Verunsicherung. Das ein oder andere Unternehmen gibt deshalb womöglich zu früh auf. So lapidar es klingt, tatsächlich kann ein gesundes Maß an Durchhaltevermögen helfen. „Hartnäckigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg“, gibt sich Shamir Kalkal von Simple überzeugt.

Analog dazu sollten Startups auch folgenden Rat beherzigen: „Akzeptiere niemals ein Nein!“, appelliert Pete Weijmarshausen von Shapeways. Das E-Business lebt von Ideen, deren Umsetzung auf den ersten Blick nicht realisierbar scheint. Kein Grund, das Startup nicht zu gründen oder fortzuführen, meint der CEO des Online-Shops für Gadgets aus dem 3D-Drucker. „Als ich Shapeways gründete, musste eine komplexe Software entwickelt werden. Viele Entwickler haben mich ausgelacht und sagten mir, das Vorhaben sei unmöglich“, berichtet Weijmarshausen. Letztlich ignorierte er derlei Aussagen und fand ein Team, das Shapeways zu dem machte, was es heute ist. Kluge Startups pochen demnach stets auf das Ja zum Versuch.

10. Lerne lebenslang
Erfolgreich werden ist die eine Sache, es bleiben die andere. Dafür sollten sich Entrepreneure einem dauerhaften Lernprozess unterziehen und sich nicht auf ihrem Erfahrungspolster ausruhen. Christian Reber meint dazu: „Erfahrungen sind wichtig für den langfristigen Erfolg eines jeden Startups. Gegen dauerhaft wissbegierige und schnell lernende Gründer haben sie aber keine Chance.“ Doch wie lernen Startups am besten? Tipps dafür gibt einmal mehr das Gründerduo der Template-Schmiede Envato. So sollten sich Jungunternehmen immer über aktuelle Trends und Technologien informieren – am besten direkt online. Gute Wissensquellen finden sich im Netz zuhauf. Beispielsweise mitHacker News  (Ratschläge), TechCrunch  (Trends) oder Inbound.org (SEO/Marketing).

Quelle: t3n, , 25.9.2013

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